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Welt verbessern per App?

Interview mit Julius Friedlaender, Entwickler der App „cooler future“ für nachhaltiges Investieren


Investieren ist wie wählen gehen!


Was genau ist „cooler future“?

Unsere App ist eine Investment-Plattform, die mit einem Investmentprodukt an den Start gehen wird, das einen Nachhaltigkeitsansatz hat. Dieser Nachhaltigkeitsansatz bezieht sich vor allem auf den Aspekt des Klimaschutzes.

Mit Hilfe der cooler future app wird jede/jeder auf sehr einfache Art und Weise in ein Portfolio von Firmen investieren können, die ambitionierte Klimaziele haben, bzw. CO2-Reduktionsziele verfolgen.

Als Kunde/Kundin wird man in ein Portfolio investieren können, was Anleihen (green bonds) und Aktien beinhaltet. Die Firmen, die im Portfolio sind, haben alle das Ziel, ihren CO2-Ausstoß zu reduzieren.

Uns ist dabei wichtig, dass die CO2- Reduktionsziele messbar sind. Denn wir wollen den Kunden/Kundinnen zwei Dinge ganz genau zeigen: erstens welche Rendite sie mit ihrer Geldanlage erzielt haben und zweitens welche CO2-Reduktion.

Bei „cooler future“ reden wir über drei Produkte: das eine ist die App, das andere das Investmentprodukt und das dritte Produkt ist die Community. Mit Community meine ich vor allem unseren Blog, mit dem wir mehr Wissen vermitteln wollen: Bildung zum Thema nachhaltige Geldanlage.


Sind nachhaltige Geldanlagen gerade im Trend?

Ja natürlich! Es ist ein großer Trend! Die Frage ist, wie nachhaltig sind die Geldanlagen wirklich? Das Thema ist sehr en vogue und auch die großen Banken haben es für sich entdeckt. Jetzt markieren viele Anbieter ihre Finanzprodukte einfach als „nachhaltig“ und wenn man sich dann anschaut, was in den Finanzprodukten wirklich drin ist, sieht man, dass das in Wahrheit gar nicht so nachhaltig ist. Ein großes Problem ist, dass es noch keine Standards gibt für eine wirklich nachhaltige Geldanlage. Es wird zwar viel über das „ESG“-Label (Environment, Social, Governance) geredet und es gibt viele ESG-Fonds, aber es gibt keinen wirklichen Standard, der definiert, was ESG eigentlich ist und jeder kann da so ein bisschen selber hinein interpretieren, wie man das umsetzt. Ich glaube, da muss insgesamt noch sehr viel Arbeit getan werden, weil wir Standards entwickeln müssen. Zum Glück gibt es Entwicklungen, wie die EU-Taxonomie oder den Sustainable Finance-Beirat der Bundesregierung, wo diese Themen angegangen werden. Ich hoffe sehr, dass wir in ein paar Jahren bessere Standards haben, damit die Finanzprodukte auch besser vergleichbar sind und für die Kundinnen und Kunden die Klimaverträglichkeit besser eingeschätzt werden kann.


Die App ist noch nicht online. Wann wird sie denn zur Verfügung stehen?

Wir planen, in den nächsten zwei bis drei Monaten an den Markt zu gehen. Ich kann kein genaues Datum nennen, da wir auch von externen Faktoren abhängig sind. Von der technischen Seite sind wir bereits jetzt startbereit. Aber wir müssen noch auf die Zulassung unseres ersten Finanzproduktes warten. Sobald die da ist, können wir loslegen.


Wie wird euer Finanzprodukt aussehen? Ist es ein Fonds?

Genau richtig. Wir werden einen Investmentfonds auflegen, einen relativ klassischen Mischfonds, der Aktien und Anleihen von Unternehmen aus der ganzen Welt beinhaltet.


Wie wählt ihr die Unternehmen für euren Fonds aus?

Am Anfang des Prozesses schauen wir uns die Nachhaltigkeitsstrategie der Unternehmen an und die ESG-Kriterien. Natürlich sortieren wir von Anfang an Unternehmen aus, die gar nicht zu uns passen, z.B. Ölfirmen. Beim Thema Klima schauen wir uns die CO2-Bilanz der Unternehmen ganz genau an und zwar auch, ob das Unternehmen in den letzten zwei Jahren die Bilanz schon verbessert hat und was die Pläne für die nächsten Jahre sind. Wir suchen die „Klima-Gewinner“ heraus.


„Cooler Future“ schreibt auf der Webseite „Investieren ist wie wählen gehen.“ Könntest du das näher erklären, bitte?

Was glaube ich viele noch nicht ganz verstanden haben ist, dass egal, was du mit deinem Geld machst, es hat Einfluss auf die Welt. Dieser Einfluss kann positiv oder negativ sein. Wenn Leute sagen „Für mich ist das ja egal. Ich habe mein Geld einfach auf dem Girokonto liegen. Mich muss das nicht interessieren. Ich will ja gar nicht investieren“, dann merken wir, dass das Bewusstsein noch nicht da ist. Natürlich nutzt die Bank das Geld, das du auf deinem Konto einfach nur rumliegen hast. Sie arbeitet damit und gibt das Geld vielleicht über Kredite an Firmen, die nicht unbedingt deinen Werten entsprechen.

Genauso wichtig ist es für Menschen, bei der privaten Rentenversicherung hinzuschauen und zu fragen „Wo landen meine Einzahlungen? Was wird mit dem Geld gemacht? Wird es nachhaltig angelegt?“

Und deshalb sagen wir immer: Man kann wirklich mit seinem Geld abstimmen, wie bei einer Wahl. Man selbst kann beeinflussen, wohin das eigene Geld fließen soll und wohin eben nicht.

Natürlich ist der Einfluss, den man als Investorin/Investor hat, nicht besonders groß. Aber je mehr Menschen in nachhaltige Unternehmen investieren, desto größer wird der Druck für andere Unternehmen, die nicht nachhaltig sind, sich auch entsprechend aufzustellen. Schließlich wollen sie auch an Kapital herankommen.

Man stimmt wirklich mit seinem Geld ab über bestimmte Geschäftsmodelle, die man befürwortet oder ablehnt.

Natürlich wird es nicht sofort die Welt verändern, wenn ich einen Wertpapier-Sparplan über 100 Euro in einen nachhaltigen Fonds abschließe. Aber genauso ist es ja auch beim Fliegen. Wenn ich mich heute als Einzelperson entscheide, den Flug nicht zu nehmen und stattdessen mit der Bahn zu reisen, dann wird die Fluggesellschaft nicht sofort den Flug einstellen. Dazu kommt es aber dann, wenn genug Leute diese Entscheidung treffen. Dann werden Fluggesellschaften gezwungen, weniger Flüge anzubieten oder auch nachhaltigere Treibstoffe zu finden, mit denen nachhaltigeres Reisen möglich wird. Und genauso ist es bei der Geldanlage. Wenn genug Leute entscheiden „Mein Geld fließt nur in nachhaltige Investments“, dann hat das eine Wirkung auf die Wirtschaft und Gesellschaft.

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Cooler Future hat den Blogartikel „Nachhaltige Gelanlage in sechs Schritten“ geschrieben. Den findet ihr hier.






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