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Money Talk! Simone, 42, Wissenschaftlerin

in Beziehung, unverheiratet mit einem Kind

Kannst du uns kurz deine finanzielle Situation beschreiben?

Momentan ist meine finanzielle Situation besser als jemals zuvor, da ich seit Anfang 2017 erstmals Vollzeitstellen in der Wissenschaft habe. Ich habe angefangen systematisch für Notfälle und meine Alterssicherung vorzusorgen. Bis vor gut drei Jahren war meine finanzielle Situation jedoch relativ prekär. Ich arbeitete an einer deutschen Universität nur Teilzeit und auf Grund von Unterbrechungen meiner wissenschaftlichen Anstellungen wurde ich trotz vorhandener Promotion auf der untersten Einstiegsstufe eingruppiert, d.h. ich erhielt genauso viel Gehalt, wie jemand, der/die gerade einen Master gemacht hatte. Da ich schon ein Kind hatte, reichte das Einkommen - trotz zusätzlicher freiberuflicher Tätigkeit - gerade so.


Bist du finanziell unabhängig vom Staat, vom Partner/der Partnerin und der Familie?

Ich bin mittlerweile überwiegend unabhängig von anderen. Von meiner Familie (d.h. Eltern) bin ich schon seit Mitte meines Studiums, also seit fast 20 Jahren unabhängig. Vom Staat habe ich bisher - bis auf selbst gewählte Arbeitslosigkeit von neun Monaten während der Promotion - keine Unterstützung erhalten. Von meinem Partner bin ich finanziell unabhängig, allerdings wohnen wir in seiner Eigentumswohnung, d.h. im Trennungsfall müsste ich mir eine neue Wohnung suchen was angesichts des aktuellen Wohnungsmarktes in Berlin schwierig wäre. Ich würde gerne eine eigene Wohnung erwerben, aber dafür reichen meine finanziellen Möglichkeiten (noch) nicht aus, zumal ich nicht weiß, ob ich ab 2022 weiter eine Stelle habe oder arbeitslos werde.


Hast du vom Vater deines Kindes jemals einen finanziellen Ausgleich verlangt, weil du im Job zurückgesteckt hast wegen der Kindererziehung?

Mein Kind ist mittlerweile 10 Jahre alt und rückblickend würde ich sagen, ich habe nicht zurück gesteckt im Job. Bevor ich überhaupt schwanger wurde, haben wir lange darüber diskutiert, wie wir uns das aufteilen wollen und als mein Partner irgendwann meinte: "Aber nicht das du erwartest, du arbeitest dann einfach so viel weiter wie bisher und ich übernehme alleine die Kinderbetreuung - ich möchte mir das gleichberechtigt teilen", da war mir klar, dass sich das Risiko „Kind“ lohnen könnte. Wir haben uns die Elternzeit 50/50 geteilt, wobei das nicht ganz konfliktfrei lief, insbesondere so lange ich noch gestillt habe. Ich musste lernen, meine Interessen und Ansprüche genauso selbstverständlich durchzusetzen wie mein Partner. Andererseits hat er auch den Löwenanteil der finanziellen Last getragen, da das angesichts meiner prekären Arbeitsmarktsituation (kleines Kind während der Promotion trägt nicht gerade dazu bei, eine wissenschaftliche Stelle zu bekommen) gar nicht anders möglich gewesen wäre. Ich habe einen großen Forschungsantrag durchbekommen und fing dann an ins benachbarte EU-Ausland im Zwei-Wochen-Rhythmus zu pendeln. Das habe ich zwei Jahre lang gemacht und dann eine Stelle mit Fernarbeitsvertrag an einer anderen europäischen Universität bekommen. Mein Partner ist selbstverständlich während meiner Pendelei (z.B. wegen Forschung, Konferenzen, etc.) alleine für Haushalt und Kind zuständig. Wenn ich in Berlin bin, teilen wir uns den Haushalt und ich mache meistens mehr mit unserem Kind.


Was ist dein größter jemals gemachter Fehler beim Thema Geld?

Ich habe mir von einer großen deutschen Bank vor fast 10 Jahren einen Fonds als Altersvorsorge 'aufschwatzen' lassen. Im letzten Jahr habe ich angefangen, mich systematischer mit meinen Finanzen auseinander zu setzen und erfahren, dass - auf Grund der 'Absicherung' die mir damals von der Bank empfohlen wurde - ich nur in die 'Absicherung' eingezahlt habe und de facto nie Gelder in Aktien investiert wurden und daher auch keinerlei Zinsen entstanden sind. Ich habe den Fonds aufgelöst und auch mein Bankkonto und bin zu anderen Banken gewechselt. Von diesem konkreten Fehler abgesehen, würde ich sagen, dass ein anderer großer Fehler war, nicht viel früher systematisch vorzusorgen und z.B regelmäßig kleine Beträge in ETFs anzulegen.


Was ist das Beste, was Du in Gelddingen erreicht hast?

Ich habe nie (!) Schulden gemacht und war maximal 2-3 Mal in meinem Leben im Dispo. D.h., wenn ich wenig Geld hatte, habe ich alles mögliche eingespart, wenn es mehr wurde, habe ich es überwiegend ausgegeben. Seit ich längerfristig eine gut bezahlte Vollzeitstelle habe, war irgendwann mein alltäglicher Bedarf gedeckt und ich fing an zu überlegen, was ich sinnvoller mit dem Geld anfange. Ich habe im letzten Jahr systematisch angefangen meine Finanzen und Altersvorsorge anzugehen. D.h. ich habe meine Anlagen diversifiziert. Ich habe einen großzügigen Notgroschen, ich spare zusätzlich systematisch für erwartbare Sonderausgaben (Urlaub, Fortbildungen, Brille, Haushaltsgeräte, etc), habe Tages- und Festgelder, Aktien, ETF-Sparpläne und P2P-Kredite. Zudem beteilige ich mich an „Kiva-Mikrokrediten“, habe ein Patenkind im Ausland und lege systematisch Geld für mein Kind an. Auf meinem klassischen Girokonto verbleibt nach Gehaltseingang am Tag nur das, was ich als Maximalausgabe für den Monat vorgesehen habe.


Was ist der beste Geld-Ratschlag, den du je bekommen hast?

Es ist eher eine Kombi aus mehreren Ratschlägen: 1) eigene Risikobereitschaft einschätzen und daran anknüpfend die finanzielle Strategie ausrichten (d.h., wenn man zum Beispiel mit schwankenden Aktien nicht klar kommt, nicht an der Börse investieren), 2) Geldanlagen diversifizieren, d.h. nicht 'nur' Tagesgeld oder 'nur' Aktien, sondern eine gute Mischung finden, 3) sich trauen an der Börse zu investieren.


Verfolgst du finanzielle Ziele? Falls ja, welche?

Mein Ziel ist langfristige finanzielle Unabhängigkeit, die mich vor 'Reinreden' von anderen, auch dem Staat oder meinem Kind, bewahrt. Zudem sollte die finanzielle Unabhängigkeit bis zum Ende des Lebens erhalten bleiben.


Wer ist die Person, zu der du gehst, wenn du über Geld sprechen möchtest?

Eigentlich niemand, es sind eher Selbstgespräche gewesen bisher. Aber seit ich mich intensiver mit meinen Finanzen beschäftige, habe ich angefangen bei jeder Gelegenheit Freundinnen und (weibliche) Verwandte darauf anzusprechen und auch zu motivieren, sich mit ihren Finanzen zu beschäftigen. Für Börsenfragen habe ich eine finnische Freundin, die seit ihrem 18. Lebensjahr an der Börse anlegt. Mit ihr spreche ich wenn möglich über neue Geldanlagen. Neu für mich ist, dass ich selbst zur Ansprechperson geworden bin: Freundinnen, meine Schwägerin und selbst mein Partner fragt mich um Rat für Anlagen.


Kennst du deine Einnahmen und Ausgaben genau? Führst du Haushaltsbuch oder nutzt du eine App?

Ich habe zu Beginn meines ernsthaften Einstiegs in meine Finanzen ungefähr 5 Monate eine Haushalts-App benutzt, um zu verstehen, wo mein Geld hingeht, bzw. wie viel ich jeden Monat realistisch ansparen kann. Nach dieser Zeit habe ich mein System aufgebaut, d.h. ein bestimmter Satz geht in risikofreie Anlagen wie Tages- und Festgeld (auch das Geld für Notfälle), ein anderer in risikoreiche (Börse, P2P), weiteres für andere (Kind, Spenden u.ä.). Ich habe alle 'Finanzleichen', die Geld kosten, ich aber nicht brauche, nach und nach abgeschafft. Z.B. doppelte Auslandskrankenversicherung, ein Zeitschriftenabonnement, das eh nie gelesen wurde, Kontowechsel wegen Gebühren.


Hast du Geld investiert? Aktien? Fonds, etc.? Wenn ja, wie?

Ja. Seit ungefähr einem Jahr investiere ich selbstständig an der Börse, d.h. ich habe ein Online-Depot bei dem ich selbst anlege. Ich habe momentan drei ETF-Sparpläne: MSCI World und zwei sustainable/social responsible in Emerging Markets. Außerdem habe ich sechs Einzelaktien, überwiegend Unternehmen, die für Nachhaltigkeit und/oder Innovation stehen, und die alle in verschiedenen Sektoren sind. Schwerpunkt sind die ETFs; in Aktien investiere ich, wenn meine Wunschaktien günstig sind und/oder wenn ich monatlich nicht so viel für Lebensunterhalt ausgegeben habe wie erwartet. Ich schaue mir das jetzt erst Mal eine Weile an und entscheide dann, ob ich noch andere Depots anlege, da mein Online-Händler nicht alle ETFs anbietet, die ich gerne hätte.


Was bedeutet finanzielle Unabhängigkeit für dich?

Finanzielle Unabhängigkeit ist mir sehr wichtig, weil ich dann frei entscheiden kann, wie ich leben will. Wenn ich finanzielle unabhängig bin und meine Absicherung wächst, habe ich in meinem Kopf und Leben zudem mehr Platz für andere Ideen und Projekte, die ich machen will. Und manchmal erlaubt einem dann die Sicherheit auch neue Risiken einzugehen.


Worein investierst du dein Geld? Gemeint sind nicht nur finanzielle Investitionen, sondern auch andere.

Der Großteil meines Geldes geht in das alltägliche Leben: Kind, Miete, Steuern, (Bio-)Lebensmittel; dann Freizeit und Self-Care wie Sport, Bücher, Theater, Kino, Essen gehen, Sauna, Massagen. Neben meinen Rücklagen (Tages/Festgelder, Börse, P2P) lege ich Geld für mein Kind an, unterstütze ein Patenkind im nicht-europäischen Ausland, beteilige mich an Mikrokrediten für Frauen bei Kiva, und habe mehrere Organisationen, für die ich regelmäßig spende (z.B. Ärzte ohne Grenzen u.ä.).






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